Irdische Fantasie - Kosmisches Gesetz - Barock in D
Polarität - Ordnung - Metamorphose
Musik von Silvius Leopold Weiss und Johann Sebastian Bach




Tonmeister: Alex Wende
Es erklingt eine Gitarre von Amalio Burguet
Die Aufnahmen erfolgten im Hansa Tonstudio Berlin

CD erscheint zusammen mit dem gleichnamigen Buch

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Fantasie
Corrente
Ciaccona


: nichts
von



Klangbild der klassischen Gitarre im Wandel der Zeit

Im vergangenen Jahrhundert hat sich die Anschlags- und Griffführung der klassischen Gitarre entscheidend weiterentwickelt. In der Gitarristengeneration, die noch in direktem Kontakt zu Francisco Tárrega, dem Begründer der so genannten neuen spanischen Gitarrenschule stand, war das Klangbild, neben dem Einfluss durch die zu dieser Zeit vorherrschende Musik, durch die noch sehr autodidaktische Lernweise geprägt. Die Spieltechnik befand sich noch in einem Entwicklungsstadium, in dem die Fähigkeiten der Annäherung an die genaue Vorstellung, welcher der Komponist von seinem Werk hatte, noch weniger ausgereift war. Die Persönlichkeit des Interpreten musste sich, mit seiner emotionalen Individualität, noch stärker vor die Persönlichkeit des Komponisten drängen. So durften sich Gitarristen wie Emilio Pujol, Miguel Llobet und viele andere noch freier von ihrer eigenen, auch durch ihren eigenen kulturellen Horizont geprägten Interpretationsform leiten lassen. Andrés Segovia, der wegen des Mangels an Literatur für klassische Gitarre zahlreiche auch für andere Instrumente geschriebene Werke bearbeitete und sie mit seinem ganz eigenen Stil in den Konzertsaal brachte, trug durch seine Popularität zu einer neuen Hörgewohnheit bei, mit der er dem Spiel der Gitarre eine neue Richtung zu weisen begann. Denn mit seiner Art des Vortrags begeisterte und beeinflusste er eine neue Gitarristengeneration, welche die Entwicklung der Technik des klassischen Gitarrespiels, getrieben vom Willen sich an die Idee nun immer zahlreicherer für die Gitarre bearbeiteter und auch neu geschriebener Werke genauer annähern zu können, immer stärker vorantrieb.

Jeder Gitarrist verrät im Klang, den er auf seinem Instrument erzielt, etwas, das ihm eigen ist und das zum Teil von seiner persönlichen Sensibilität und der Formung seiner Finger abhängt. Seine Hauptsorge muss also sein, sich darum zu bemühen, vom ersten Augenblick an die bestmögliche Beschaffenheit und den größtmöglichen Umfang im Ton zu erhalten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass nur andauernde Übung es ermöglicht, in den Fingern das Gleichgewicht von Gefühl und Festigkeit zu begründen, die den Ton läutern, festigen und zu etwas Besonderem machen. Der Anschlag muss für den Spieler der wahrhafte Ausdruck seiner Sensibilität und seines Temperaments sein. Emilio Pujol

Die höher entwickelte Spieltechnik und Klangkultur, welche mit jeder neuen Generation weitergebildet wird, ermöglicht eine immer präzisere Annäherung an die musikalische Vorlage. Auf diese Weise ist ein wahrhaft individueller Klangduktus vor allem aus der Klärung eines Notenbildes, der daraus resultierenden Interpretation, der damit verbundenen Klärung der eigenen Persönlichkeit zu verstehen, was es ermöglicht, die Individualität des Komponisten mehr und mehr durchscheinen zu lassen und die daraus erfolgende stetige Weiterentwicklung und Reife der eigenen Spielerpersönlichkeit zu fördern.
Mit der Erkenntnis dessen, was mit einer Komposition genau gemeint sein möchte, der Erweiterung der technischen Möglichkeiten und der durch genaue Interpretation steigenden Präzision der Wiederholbarkeit, bleibt die Anschlagskultur eines jeden Gitarristen immer ganz individuell. Durch tieferes Verständnis dessen, wie ein technischer Ablauf auf dem Griffbrett sowie vor dem Schalloch aufgrund logischer anatomischer Gesetzmäßigkeiten in idealer Form durchführbar ist, wachsen die Möglichkeiten des ganz individuellen gitarristischen Ausdrucks. Jedes Bemühen um Genauigkeit fördert die Sauberkeit des gitarristischen Fingerabdrucks. Und wie jeder Mensch auf sein Gegenüber eine andere Wirkung hat, so wird auch jedes Werk in jedem Spieler etwas anderes anrühren. Das betrifft auch moderne Gitarrenliteratur und eigene Kompositionen. Darüber hinaus bleibt der Klang eines jeden Instrumentes ganz individuell und unverwechselbar. Die Kraft der Überwindung seines Selbst zur Annäherung an das Wesentliche eines Werkes und die Erweiterung der Fähigkeit des Verständnisses der Persönlichkeit dessen, der ein Werk schreibt, bestimmen die Klarheit und Reife des Tonbildes sowie die gesamte Klangkultur auf ganz eigene Art. So kann das Wesen des Gitarristen freudig aufblühen.

Die Gitarre ist etwas sehr persönliches in einer unpersönlichen Welt. Es gibt kein Hindernis zwischen dem Instrument und dem Herzen des Spielers. Nur die zarte Haut an den Fingerspitzen. Die Gitarre ist eine zarte Stimme auf einem lauten Planeten. Deshalb hört man ihr zu. Andrés Segovia

Die Gitarrenspieltechnik ist inzwischen auf breiter Ebene zu einem hohen Stand entwickelt worden. Etliche Gitarristen können heute einen großen Raum füllen, mit einem Ton, der trotz der aufzubringenden körperlichen Intensität, dennoch warm zu klingen vermag. Und es ist erfreulich wenn immer mehr Gitarristen die Kraft aufbringen, durch das Annehmen der Herausforderung von Komponisten wie Silvius Leopold Weiss mit seiner klanglich-phantasiereichen Vielfältigkeit oder Johann Sebastian Bach, der mit beispiellos liebevoller Strenge zu schöner Form führt, sich zur kompositionsgerechten Interpretation zu überwinden um dabei ihr wahres Selbst zu behaupten. Auf diesem Wege erfüllen sie sich den Wunsch nach Wahrhaftigkeit und Ernsthaftigkeit und erreichen, gefördert durch die Sprache der Musik und die in ihr verborgenen Werte, werkgetreue Individualität.

Texte und Inhalte © Sebastian Christoph Jacob. Kontakt Impressum